Zum letzten Gottesdienst in der altehrwürdigen Kirche Alexanderstraße (Reutlingen-Süd) war am Mittwochabend, 22. Oktober 2025, geladen worden. Der designierte Bezirksapostel Martin Rheinberger feierte in Begleitung des zuständigen Apostels Jürgen Loy und von Bischof Matthias Grauer diesen Gottesdienst, in dem die ehemaligen „Südler“ Abschied von ihrem Kirchengebäude nahmen. Der Gottesdienst wurde in den ganzen Bezirk übertragen.
Apostel Rheinberger las als Grundlage für den Gottesdienst ein Psalmwort, das bereits Bezirksapostel Schall im Jahr 1953 bei der Einweihung der „Westkirche“ gewählt hatte: „Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar“ (Psalm 84,5).
Der Apostel ging zunächst auf das Chorlied „Herr, bleib bei uns, der Abend bricht herein“ ein: Jesus kehrte mit den Emmausjüngern ein und blieb bei ihnen, bis sie ihn als den Christus erkannt hatten. Wohnen, so der Apostel, bedeute mehr als "einfach nur mal da zu sein“. Wohnen bedeutet dauerhaft bleiben, beständig sein. Gott wohnt bei uns und wir bei ihm, nicht nur, wenn es dunkel um uns wird, sondern jederzeit, weil er Worte des Lebens hat und die Quelle des Lebens ist. Er bereitet uns die neue Stätte vor und will uns zu sich holen, damit wir in einer unauflösbaren Gemeinschaft mit ihm sein und Anteil an seiner Herrlichkeit haben werden.
Der Vorsteher der Gemeinde hatte dem Apostel im Vorfeld geschrieben, dass Wehmut und Dankbarkeit in den Herzen vieler Gemeindemitglieder stehe. Verständnis für die Wehmut äußernd legte Apostel Rheinberger einen Schwerpunkt auf die Dankbarkeit. Gott hat hier viel Großes geschaffen und Segen gewirkt, dies wird er auch weiterhin tun. Sich selbst nicht im Weg zu stehen bei Äußerlichkeiten, sondern auf das Wort zu achten, diesen Rat gab er der versammelten Gemeinde mit auf den neuen Weg.
Dieses Zukunftsbild der „unfassbaren Gemeinschaft mit Gott“ griff auch Apostel Jürgen Loy in seinem Predigtbeitrag auf „Alles war richtig zu seiner Zeit und nun gehen wir miteinander weiter. Bis hierher hat der Herr geholfen und er wird auch morgen noch bei uns sein und uns beistehen, bis wir auf ewig bei ihm sind.“
Nach der Feier des letzten Abendmahls in dieser Kirche las Evangelist Ralf Kirchner, Gemeindevorsteher der Gesamtgemeinde Reutlingen, aus der Kurzchronik vor. Apostel Rheinberger dankte im Gebet den treuen Glaubensmüttern und Glaubensvätern, die die Gemeinde aufgebaut und belebt hatten. Er dankte dafür, dass die Kirche Zufluchtsstätte für die Gemeinde und Ort der Gegenwart des dreieinigen Gottes in Wort und Sakrament war und bat Gott um ein gesegnetes Gemeindeleben im neuen Kirchengebäude. Mit der Entwidmungsformel und dem Schlusssegen beendete er den letzten Gottesdienst in „der Süd“.
Das Gebäude aus dem Jahr 1912 entspricht nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen nach barrierefreien Zugängen und hätte umfassend umgebaut werden müssen. Gleichzeitig gibt es im Nordwesten der Stadt Reutlingen eine größere, denkmalgeschützte Kirche, deren Umbau nun fertig gestellt ist und für die Gemeinde Reutlingen und größere Bezirksgottesdienste als Gotteshaus dienen wird.