In einem festlichen Weihegottesdienst mit Bezirksapostel Michael Ehrich, Bezirksapostelhelfer Martin Rheinberger, Apostel Jürgen Loy und Bischof Matthias Grauer am Sonntag, 26. Oktober 2025, feierten Gemeinde und Bezirk Reutlingen den Wiederbezug der Kirche Dürrstraße. Mit dabei waren Geschäftsführer und Bauleiter des Architekturbüros Hartmeier und Partner, sowie die Verantwortlichen der Bauabteilung der Gebietskirche.
Nun ist es geschafft. Der Umbau ist abgeschlossen, die Kirche frisch gereinigt und neu eingerichtet und festlich geschmückt: die Gemeinde Reutlingen ist in ihrem endgültigen Gotteshaus angekommen.
Bezirksapostel Michael Ehrich, Leiter der Gebietskirche und Bauherr, weihte zu Beginn des Gottesdienstes die neue Wirkungsstätte, da durch den Umbau auch im Altarbereich große Eingriffe vollzogen worden waren. Danach verlas er die Kurzchronik der Gemeinde, die mit dem Zuzug der neuapostolischen Zuffenhäuserin Berta Sauer im Jahr 1905 ein gesegnetes Wachstum in der Stadt und über die Landkreisgrenzen Reutlingens hinaus genommen hatte.
Seiner Predigt legte der Bezirksapostel ein Prophetenwort aus Hesekiel 5,44 zugrunde: „Und der HERR sprach zu mir: Du Menschenkind, gib acht und sieh und höre fleißig auf alles, was ich dir sagen will von allen Ordnungen und Gesetzen im Haus des HERRN, und gib acht, wie man es halten soll mit dem Zutritt zum Heiligtum an allen Eingängen.“
Zunächst dankte Bezirksapostel Ehrich Gott, denn „es ist sein Werk, nicht das unsere“. Weitere herzliche Dankesworte richtete er an diejenigen, die mit ihrem Geldopfer den Umbau möglich gemacht hatten, an alle tatkräftig Beteiligten, die öffentlichen Stellen für die Genehmigung (das Gebäude ist denkmalgeschützt) und an die Gemeindemitglieder.
Der Hintergrund des Textwortes ist die Vision des Propheten Hesekiel vom „neuen Tempel“ nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Hesekiel beschreibt darin die Ordnungen und Gesetze, die im Haus des Herrn Gültigkeit haben.
Auf das neue Gotteshaus „im hier und heute“ bezogen nannte der Bezirksapostel die zentrale Funktion als Haus, in dem Gottesdienste gefeiert werden. Mit der Weihe ist dieses Haus ein geheiligtes Haus, insbesondere der Kirchensaal mit dem Altar, dem „Sinnbild des Opfers Jesus Christus“, zu jeder Zeit, auch außerhalb der Gottesdienste. Heiliges Abendmahl und Wortverkündigung finden in den neuapostolischen Gottesdiensten am Altar statt.
Als weitere zentrale Punkte nannte er
„Zu diesem Zweck wurde diese Kirche gebaut und geweiht.“
Bischof Matthias Grauer, zugleich Mitglied der Gemeinde Reutlingen, der die Kirche im Vorfeld als „die schönste Kirche der Welt“ gerühmt hatte, wurde zu einem Predigtbeitrag an den Altar gerufen. Mit Liebe betrachtet, so der Bischof, ist alles schön. Gott versieht unseren Blick mit Liebe. Nach Salomos Worten bei der Weihe des Tempels ist dies der Ort, an dem Gott unsere Gebete erhört und unseren Dienst annimmt. Bischof Grauer wünschte der Gemeinde, dass diese Kirche ein „Ort der Schönheit des göttlichen Wirkens“ werden möge.
Auch Apostel Jürgen Loy ging in seiner Predigt auf die Salomosche Tempelweihe ein: „Die Herrlichkeit Gottes erfüllte das ganze Haus“. Er lenkte den Blick auf den Blumenschmuck vor dem Altar in Form eines Bogens, der die Torbögen im Tempel symbolisiert. Das Reutlinger Kirchengebäude hatte schon von Beginn an verschiedene Eingänge. Der „Betzinger Eingang“ ist jetzt verschlossen und dient als Fluchttüre. Das „Reutlinger Tor“ ist nun Haupteingang und nimmt alle auf, aus ihren unterschiedlichen Lebenssituationen kommend. Der Psalmist (Psalm 73) hatte einst eine „innere Neiddebatte“ geführt bis er ins Haus des Herrn kam, das für ihn – und für uns – ein Ort der Veränderung, des Wortes Gottes, des Gebets und Perspektivwechsels wurde und wird. „Die Herrlichkeit, Liebe und Barmherzigkeit Gottes ziehen immer wieder ein.“
Den Abschluss des Predigtteils bildete Apostel Martin Rheinberger, „unser künftiger Bezirksapostel“. Er erwähnte den Isenheimer Altar im Elsaß, auf dem der Künstler unter der Kreuzesdarstellung auch Johannes den Täufer dargestellt hatte, der mit einem überlangen Finger auf Jesus Christus deutete. Die Aufgabe der Predigt durch den Heiligen Geist ist, daran zu erinnern, was Jesus Christus gesagt hat. Notwendig ist es, die göttlichen Gebote und die Ordnungen zu halten, aber auch nachzufolgen, was auch mit Opfer verbunden sein kann, denn „Gemeinschaft kann anstrengend sein“. Viele Glaubensgeschwister bedeuten auch viele Meinungen. Einigkeit bringt, wenn alle auf Jesus Christus schauen und zeigen, der den Willen Gottes getan hat.
Das erste Abendmahl im neuen Gotteshaus wurde gefeiert und danach auch das Abendmahl für die Entschlafenen gereicht, eingeleitet durch einen bewegenden Vortrag des (Bezirks)Jugendchors. Die weitere musikalische Umrahmung des Weihegottesdienstes bildeten klangvolle Vorträge eines Bezirks-Projektchors unter der Leitung von Birgit Müller, der neu restaurierten und erweiterten Orgel, gespielt von Priester Dominik Skauradszun, und eines Gemeindeensembles, bestehend aus 5 Celli und Flügel.