Zu einem Festgottesdienst kam Stammapostel Helge Mutschler am Sonntag, 20. August 2026, in die Kirche Reutlingen. In seiner Begleitung waren Bezirksapostel Kububa Soko aus Sambia und die Apostel Helmut Kasper und Mike Dietel aus der Gebietskirche Nord-Ost sowie Bezirksapostel Martin Rheinberger und alle Apostel und Bischöfe aus Süddeutschland. Der ganze Bezirk war eingeladen.
Als Predigtgrundlage verlas der Stammapostel aus Psalm 126 die Verse 5 und 6: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.“
Der Projektchor sang zu Beginn den bekannten Satz von Felix Mendelssohn Bartholdy „Verleih uns Frieden“. Stammapostel Mutschler griff diesen Wunsch auf: „Möge Gott Frieden verleihen“ in unseren Herzen, unserer Umgebung, und den großen Entscheidern weltweit den Gedanken nach Frieden in die Herzen legen. Gott ist ein Gott des Friedens und der Vergebung, der Friede des Auferstandenen ist der Friede des Ostermorgens. „Es sei jetzt Frieden.“
Auf die Psalmverse eingehend sagte der Stammapostel, dass wir gerade in der Zeit des Erntebeginns sind. Gleichzeitig ist auch schon Aussaatzeit für manche Ackerfrüchte, die im kommenden Jahr geerntet werden. Der Psalmist hatte die Verse geschrieben, als das Volk Israel in Babylonischer Gefangenschaft war. In dieses Exil hinein erklang die Kunde, dass die Israeliten wieder nach Hause dürften. Wie im Traum kamen sie zurück und fanden Jerusalem völlig zerstört vor, ein „furchtbares Desaster“. Aus ihrem Lachen wurden Tränen, eine Tränensaat, wie in Vers 5 beschrieben.
Tränensaat und Freudenernte
Zur damaligen Zeit, bei uns auch noch bis vor einigen Jahrzehnten – und in Afrika heute noch, wie Bezirksapostel Soko in seinem Predigtbeitrag erläuterte - war das Aussäen oft mit Tränen verbunden. Es war körperlich anstrengend ohne die heutigen Maschinen, aber hinzu kam noch, dass die Familienväter oft den letzten Sack Korn zur Aussaat verwenden mussten und nicht wussten, wie sie bis zur Ernte ihre Familien ernähren sollten. Der im 3. Kapitel des ersten Mosesbuches beschriebene „Ackerfluch“ brachte Schmerzen, Leid und Tränen auf die Menschen.
„Es gibt Tränen und Weinen“, so der Stammapostel. In früheren Jahrhunderten war das Weinen verboten. In diesem Zusammenhang erwähnte er das Märchen von der Mutter, deren verstorbene Tochter ihre Tränen in einem Krug sammelte und ihr vorwarf, bei einer weiteren Träne würde der Krug überlaufen. Im Gegensatz dazu zitierte Stammapostel Mutschler Psalm 56 „sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie“ als Hinweis, dass Weinen und Tränen sein durften und dürfen. Älterwerden, Tod, Trauer um verstorbene Angehörige, dies können Gründe für Tränen sein. Auch Jesus Christus als wahrer Mensch hat geweint, als sein Freund Lazarus gestorben war. Sein Tod am Kreuz ist die größte Tränensaat, „damit wir leben können“.
„Bruder, Schwester: Bitte säe weiter aus!“
Stammapostel Mutschler äußerte den Wunsch „Gott schenke dir Wege, die dein Fuß gehen kann in deinen Tränen.“ Denn auch in der Kindererziehung wird oft mit Tränen ausgesät und manches Mal scheint es, dass es keine gute Ernte geben würde. „Bitte säe weiter und lege die Entwicklung und das Wachstum in Gottes Hand!“ Diese Bitte richtete er auch an die Geistlichen, die Lehrkräfte, an alle Aktiven in den Gemeinden: „Streut weiter den Samen aus mit der Gabe, die ihr erhalten habt“, der Gabe des Heiligen Geistes. „Streu weiter aus, in der Gemeinde, in deiner Umgebung“, und weiter: „Tränensaat – sich in einer Gott feindlichen Umgebung zu Gott und seinen Geboten bekennen und danach handeln. Unsere Gesellschaft braucht die Kunde des Friedens.“ Denn im Psalmwort steht auch, dass sie, die Aussäenden mit Freuden ernten und ihre Gaben bringen werden.
Bezirksapostel Kububa Soko ging in seinem Predigtbeitrag auf das Lied ein, das der Kinderchor des Bezirks (MUKI) gesungen hatte: Lass das Licht erstrahlen in der Nacht. Das Licht weitergeben, Gnade und Vergebung, das ist oft eine Tränensaat, denn Vergeben ist nicht leicht. Dazu müssen wir unseren Stolz überwinden. Der Bezirksapostel kehrte den Psalmvers um: Wer mit Freuden ernten will, muss mit Tränen säen. Er rief dazu auf: „Lasst uns lieben, vergeben, Gutes tun und Positives über die anderen denken, damit wir sie so lieben können, wie Gott sie liebt“.
Apostel Mike Dietel gab in seinem Predigtbeitrag den Rat, Friedensboten zu sein und in die Zeit hinein zu leuchten für die Menschen, die das Evangelium nicht kennen. Dies gilt es nicht nur, groß im Globalen denken, sondern auch „vor unserer Haustür“. Jeder von uns hat Saatgut erhalten, auch wenn mancher vielleicht denkt, er hätte doch nicht viel zu geben. Der Thüringer Apostel erinnerte an Berta Sauer, die 1905 erstmals in Reutlingen Zeugnis vom wieder aufgerichteten Apostelamt gab. Ohne ihre Aussaat gäbe es die Gemeinde, den Bezirk gar nicht. „Welche Ernte ist daraus hervorgegangen!“
„Vielleicht ist heute der Tag des Vergebens“
Vor der Freisprache und der Feier des Heiligen Abendmahls griff der Stammapostel noch einmal das Vergeben auf. Es gibt schwerwiegende Fälle von Missbrauch und Traumata, da ist Vergeben oft nicht möglich. Er bete für die Betroffenen, dass ihnen das Vergeben doch irgendwann möglich werde. In „kleineren Fällen“ ist das erreichbar, manchmal muss es dazu einfach nur eine Aussprache geben.
Die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes übernahmen ein Bezirks-Projektchor, der schon erwähnte Kinderchor MUKI und der Jugendchor. Gemeinsam trugen sie, begleitet am Flügel, vor dem Abendmahl für die Entschlafenen in sehr bewegender Weise das Lied „Ich hab ein Heim“ vor. Bereits vor dem Gottesdienst hatten die „MUKIs“ Stammapostel Mutschler und seine Begleitung mit einem fröhlichen Lied und der Überreichung einer Mutschel (traditionelles Gebäck aus Reutlingen) begrüßt. Drei Musiker teilten sich die Begleitung des Gemeindegesangs und des Chores an Orgel und Flügel, der Hauptorganist ließ die Abendmahlsfeier mit einem sehr berührenden Solo am Flügel ausklingen.
Ein sehr bewegender und tiefgehender Gottesdienst fand seinen musikalischen Abschluss mit dem achtstimmigen „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.
(Fotos folgen)