Seit März 2023 wird das große Kirchengebäude in der Reutlinger Dürrstraße umgebaut. Nun sind bald die Arbeiten abgeschlossen und die Gesamtgemeinde Reutlingen darf ihre Kirche wieder beziehen und als Gotteshaus nutzen.
Im letzten Gottesdienst vor dem Umbau, am Sonntag, 5. März 2023, war die Fusion der Gemeinden Reutlingen-Süd (Alexanderstraße) und Reutlingen-West (Dürrstraße) durch Bischof Matthias Grauer vollzogen worden. Die Gemeinde Reutlingen feierte ab da ihre Gottesdienste in der Kirche Alexanderstraße. Am Sonntag, 26.Oktober 2025, feiert sie mit Bezirksapostel Michael Ehrich den Wiederbezug des frisch renovierten und umgestalteten Gotteshauses in der Dürrstraße. Der Mittwochsgottesdienst davor (22.10.25) steht unter dem Aspekt der Entwidmung des Kirchengebäudes in der Alexanderstraße.
Die „Arche Noah“ der Neuzeit
Das imposante Kirchengebäude in der Dürrstraße – von einem Betrachter beim Neubau als „Arche Noah“ bezeichnet - steht seit 1953 auf einer Anhöhe in Betzingen und überragt auch heute noch alle Wohnhäuser der Umgebung. Durch den Wegfall der Betonstützen für den alten Parkplatz kommt sie nun wieder voll zur Geltung. Der Vorplatz ist nun weiträumiger und freundlicher, und kann auch für Begegnungen im Freien, z.B. bei Jugendgottesdiensten und Gemeindefesten genutzt werden.
Für den umfassenden Umbau galten hauptsächlich die Schwerpunkte
Dazu wurde am denkmalgeschützten Gebäude im hinteren Bereich außen ein Glasanbau angebracht, der einen Aufzug vom Keller bis zum Obergeschoß (Kirchensaal) und – neu - auf der Ebene des Kirchensaals die Sakristei enthält. Hier wurde insbesondere der Bitte der Reinigungs- und Blumenschmuckgruppen Rechnung getragen, denn Putzeimer, Blumen, Gießkannen und Blumengefäße können nun relativ leicht vom Keller per Aufzug in den Kirchensaal transportiert werden. Der breite Aufzug bietet großzügigen Platz für Rollstühle.
Weitreichende Umbaumaßnahmen
Der Kirchensaal ist nun zum weiträumigen Treppenhaus hin durch eine breite Glasfront abgeschlossen, eine Anforderung des Brandschutzes, die auch für eine ruhigere und heiligere Atmosphäre bei den Gottesdiensten sorgt – und nebenbei die Heizung entlastet.
Die alte Ölheizung blieb erhalten, wird aber nur noch für Spitzenlasten bei extrem Kältegraden genutzt. Beheizt wird das Gebäude nun durch ein hybrides System mit Wärmepumpe, energetisch unterstützt durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Gebäudehülle aus einer früheren Renovierung in den 1980er Jahren wurde den heutigen energetischen Anforderungen komplett angepasst, das Dach über dem Kirchenschiff neu gedämmt. Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit wird großgeschrieben gemäß dem Grundsatz der Schöpfungsverantwortung gerade christlicher Kirchen.
Die Haustechnik (Heizung, Sanitär, Lüftung) wurde komplett erneuert und im Foyerbereich eine großzügigere, moderne Küche eingebaut. Das Foyer ist kaum wieder zu erkennen: Die vielen Garderobenständer fielen weg und wurden in einen kleinen Raum geschickt verstaut. Das Foyer erscheint nun großzügig und weit, heller und freundlicher durch große Glasfenster zu den neu geschaffenen Kinder- und Jugendräumen, die auch für Gemeinschaft genutzt werden können. Die Sakristei wurde ja nach oben verlegt und so konnten die unteren Räumlichkeiten umgewidmet werden.
Vom Fußboden zeigte sich das für die Umbauarbeiten zuständige Architekturbüro Hartmaier und Partner aus dem nahen Münsingen sehr begeistert: grauer Jura von der Schwäbischen Alb. Dank der wertschätzenden Pflege durch die Gemeindemitglieder auch nach 80 Jahren sehr gut erhalten, bestimmt er nun die Farbgebung der Innenräume der Kirche: Weiße Wände mit feinem Putz, hellbraune Hölzer und neue, helle Bezüge der alten Kirchenbänke, hier und da dunklere Akzente. Gelobt wurden auch die hohe Qualität der Fenster, die nur geringfügig saniert werden mussten. Ein weiterer Nachhaltigkeitspluspunkt.
Wiederbezug im Oktober 2025
Die Orgel wurde auf ihre ursprüngliche Frontansicht zurückgebaut und gründlich restauriert. Zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren wird sie unter der denkmalgeschützten Deckenrosette beim Wiederbezugsgottesdienst am 26. Oktober 2025 erklingen. Bezirksapostel Michael Ehrich wird diesen Gottesdienst mit dem ganzen Bezirk im Beisein von seinem designierten Nachfolger Apostel Martin Rheinberger sowie dem zuständigen Apostel Jürgen Loy und seinem/unserem (heimischen) Bischof Matthias Grauer feiern. Zu einem Festakt mit Anwesenheit und Grußwort durch Oberbürgermeister Thomas Keck laden Bezirk und Gemeinde am Sonntag, 30. November 2025 um 17 Uhr ein. Im Januar 2026 wird es dann an einem Tag der offenen Tür Möglichkeit zur Begehung und zum Bestaunen für die breite Öffentlichkeit geben.
Hell, freundlich, großzügig einladend und barrierefrei – so präsentiert sich das denkmalgeschützte Gotteshaus, das der zusammenwachsenden Gesamtgemeinde Reutlingen ein neuer Ort der Anbetung, der Wortverkündigung, der Sakramente und Gemeinschaft sein wird, wie es in der Apostelgeschichte schon von den ersten Gemeinden in Jerusalem berichtet wird.