Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert! Das war das Lebensmotto von Gustav Werner (1809 bis 1887), dem Theologen, Sozialreformer und Unternehmer aus Reutlingen. Am Donnerstagnachmittag, 13. Februar 2025, erlebten rund 50 Teilnehmer einen überaus inhaltsreichen Vortrag zu diesem Thema.
Referent, Herr Werner Günthner, gab Einblick in das Leben und Wirken von Gustav Werner und zeigte auch die Entstehung der Bruderhaus-Diakonie Reutlingen. Heutzutage gibt es in über 20 Standorten der Behindertenhilfe in Baden-Württemberg Einrichtungen, Werkstätten und Fabriken, die über 5.000 Mitarbeiter beschäftigen. In Reutlingen gehört zum Beispiel auch das „Kaffeehäusle“ in der Alteburgstraße dazu, das in den Sommermonaten geöffnet ist.
Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zeigten tiefgreifende Umwälzungen in Europa, einsetzende Industrialisierung, soziale Konflikte, Hungerjahre, Auswanderung, Armut der Bevölkerung.
Der junge Theologe Gustav Werner erkannte die Herausforderungen der Zeit und nahm in Walddorf (Kreis Reutlingen) Waisenkinder in seine „Kinderrettungsanstalt“ auf. Seine Einstellung zum Handeln war: „Vor allem die Kinder benötigen Beistand und einen Kümmerer!“
Nach der Ausbildung und einigen Jahren Arbeit in anderen Städten, erfolgte seine Übersiedlung nach Reutlingen. Dort gründete er ab 1840 christliche Hausgenossenschaften, welche sich der Kinder, der Armen und der Behinderten im Sinne der Nächstenliebe angenommen haben.
Unter Gustav Werners Leitung entstanden vielfältige landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe, mit denen er in Reutlingen zu den größten Arbeitgebern zählte. Die erzielten Erträge dienten zur sozialen Sicherung der Bedürftigen und der Finanzierung der diakonischen Einrichtungen. Er bot schutzbedürftigen Menschen somit Heimat und Ausbildung.
Begünstigt durch seine Predigtreisen (er durfte als Theologe durch sein Handeln für die Armen nicht in Kirchengebäuden predigen, sondern in Bauernhöfen, Scheunen usw. ) entwickelten sich in Württemberg über 30 Tochteranstalten des Gustav Werner Bruderhauses.
Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert! Unter diesem Motto entstanden im 19. Jahrhundert eine weit verzweigte diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderung, Menschen mit psychischen Erkrankungen und alte Menschen – die Bruderhaus-Diakonie Reutlingen, auch mit einigen Einrichtungen in Reutlingen.
Die nachstehenden Fotos zeigen Ausschnitte aus dem Vortrag und eine Zusammenfassung des Wirkens von Gustav Werner.