Buß- und Bettag: ein beinahe vergessener Feiertag. Apostel Jürgen Loy feierte an diesem Tag, 20. November 2024, den Gottesdienst in Gomaringen mit den drei Gemeinden Gomaringen, Reutlingen-Ohmenhausen und Reutlingen-Gönningen.
Dem Gottesdienst legte der Apostel Verse aus dem Lukasevangelium zugrunde (Lukas 15, 17-18): „Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.“
Apostel Loy wies in seiner Wortverkündung darauf hin, dass Jesus sein Wirken mit der Aufforderung begonnen hat, Buße zu tun, denn das Himmelreich ist nahe. Gibt es etwas Schöneres, so fragte der Apostel? In Jesus Christus ist für uns der Himmel geöffnet und der Hinweis auf Buße bedeutet eigentlich: Richte deinen Blick dorthin. Buß- und Bettag bedeutet, diese durch die Taufe in uns gelegte Freude der Nähe Gottes in uns wieder groß werden zu lassen: Wie nahe ist mir Jesus Christus? Er hat mit seiner Bußaufforderung die Botschaft verknüpft, dass das Reich Gottes schon nahe ist. Dieser Gottesdienst biete uns wieder die Chance, unseren „inneren Kompass“ wieder neu auf Jesus Christus auszurichten.
Auf das Bibelwort aus dem Gleichnis des verlorenen Sohns eingehend, übertrug Apostel Loy die Geschichte auf unser heutiges Leben. Der jüngere Sohn hatte durch sein zügelloses Prassen alles verloren, auch seine Würde. Wenn man den Glauben verliert, hat man alles verloren. In seiner größten Not ging der junge Mann in sich und erkannte seine eigene Schuld an dieser Situation, dass er gegen Gott und seinen Vater gesündigt hatte. Er machte sich dann auf zu seinem Vater – im griechischen Urtext heißt es, er stand auf. Vielleicht sind auch wir an einem Punkt, an dem es nicht mehr so weitergeht. Das Gleichnis zeigt, dass wir uns dann nicht klein machen müssen, in der Opferrolle oder der Ecke bleiben müssen, in die wir uns selbst hineinbegeben haben, sondern aufstehen dürfen, in unserer Einsicht zu Gott kommen dürfen. Unser himmlischer Vater gibt uns die Kraft dazu. Gott ist nur ein Gebet weit von uns entfernt. Ein Gebet – auch ein kurzes Stoßgebet – ist ein Aufstehen und Aufmachen zu Gott. Unser innerer Richter hat keinen Zugang, wenn wir zu Gott beten. Wir dürfen dann ganz in uns gehen und offen alles sagen.
Bischof Matthias Grauer, der sich in seiner Begleitung befand, wurde zu einem Predigtbeitrag gerufen.
Mit der Feier des Heiligen Abendmahls und dem Schlusssegen ging dieser Kraftgebende Buß- und Bettag-Gottesdienst zu Ende.