Am Sonntag, 4. August 2024, entlastete Apostel Jürgen Loy in einem feierlichen Gottesdienst in Reutlingen Bezirksevangelist Claus-Peter Wagner von seiner Aufgabe als Übergangsvorsteher für die beiden zusammenwachsenden Reutlinger Gemeinden. Neu beauftragt als Vorsteher wurde sein bisheriger Stellvertreter, Evangelist Ralf Kirchner. Ein Jugendlicher und zwei Kleinkinder empfingen das Sakrament der Heiligen Versiegelung.
Dem Gottesdienst am 4.8.24 legte Apostel Loy zwei Verse aus dem Epheserbrief zugrunde: „(Ertragt einer den andern in Liebe) und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung;“ (Epheser 4, 3-4).
Auf das Lied des Gemeindechors (Chorbuch 352) eingehend, in dem es hieß “Dann setz uns in Bewegung“, erwähnte Apostel Loy das bekannte Paul-Gerhardt-Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ und wünschte der Gemeinde durch das Erleben dieses Gottesdienstes eine innere Glaubensbewegung hin zur Freude, heraus aus der Kummerhöhle oder bedrängenden Situationen.
Der Epheserbrief, so der Apostel weiter, sei geschrieben worden an eine bunte Gemeinde aus Heiden- und Judenchristen, aus Reichen und Sklaven. Er beschreibt die Einheit der Kirche in der Vielfalt. Dies gelte heute insbesondere für die Gemeinde Reutlingen. Es stelle sich die Frage, wie eine Gemeinde mit so unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten funktionieren könne. Apostel Loy betonte, dass die Vielfalt an Brüdern und Schwestern eine Bereicherung sei, wie ein bunter Blumenstrauß. Aus seiner Stuttgarter Zeit ist Apostel Loy durchaus bewusst, dass es innerhalb einer Stadt „geheimnisvolle“ Grenzen geben kann. Unterschiedliche Identitäten und Herkünfte (z.B. aus Stuttgart – oder von der Alb herunter) machen ein Zusammenleben in der Gemeinde zusätzlich nicht immer einfach. Zu einer Einheit kommen kann die Gemeinde durch den Glauben an Jesus Christus, durch das Band des Friedens. Demut und Sanftmut, einander zu tragen und zu ertragen, gemeinsam Freude zu suchen, das Gute im Anderen zu sehen und dies gelingt nur mit Liebe. Der Apostel legte der Gemeinde den aktuellen Werbeslogan der Stadt Reutlingen ans Herz: Reutlingen kann man nicht mögen, nur lieben. So in der Liebe Jesu kann sich die Gemeinde „miteinander in Bewegung setzen“. Die 7 Eckpfeiler dazu erwähnt Apostel Paulus in seinem Brief an die Epheser: „ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen“ (Verse 4-6).
Bischof Matthias Grauer fragte die Gemeinde in seinem Predigtbeitrag: Was hast du sichtbar und erlebbar gemacht für die Gemeinde? Oder hast du nur gesagt: Man sollte oder könnte? Er griff das Bild des Wrestlers aus dem Gottesdienst des Stammapostels am vorigen Sonntag auf, der die Schwachstellen seines Gegners erkennt und zu seinem eigenen Vorteil ausnutzt. „Was macht das mit mir, wenn mein Gegenüber meine Schwachstelle entdeckt?“ Die Einheit in der Gemeinde wird dadurch gestärkt, dass die Schwachstellen der Einzelnen ausgeglichen werden.
Auch der neue Vorsteher der Gemeinde, Evangelist Ralf Kirchner, wurde zu einem Beitrag gerufen. Er – kein echter Reutlinger sondern gebürtig vom Bodensee – versprach, Reutlingen und die Reutlinger Gemeindemitglieder zu lieben. Drei Begriffe legte er seiner zukünftigen Aufgabe zugrunde:
Bezirksevangelist Wagner wirkte seit 2019 als Vorsteher, zunächst der Gemeinde Reutlingen-Süd, später kam noch die Gemeinde Reutlingen-West dazu. Die beiden Gemeinden wurden im März 2023 zur Gemeinde Reutlingen vereint. Momentan wird das imposante Kirchengebäude in der Dürrstraße (früher Westkirche) umfassend umgebaut und modernisiert und somit die neue/alte Heimat für die Gemeinde Reutlingen.
Die beiden Gemeinden waren auch lange Zeit Namensgeberinnen der beiden Kirchenbezirke Reutlingen-Süd und Reutlingen-West. 2017 wurden beide Bezirke zu einem Bezirk zusammengeführt.