Sehr bequem im Sitzen erlebten knapp 50 Interessierte am Donnerstag, 29. Februar 2024, in unserer Kirche Reutlingen-Alexanderstraße eine besondere Stadtführung. Herr Werner Günthner hielt einen äußerst interessanten und sehr lebhaft gestalteten Vortrag zum Thema: "500 Jahre Reutlinger Markteid".
Dieses Jubiläum wird ab Mai 2024 in Reutlingen durch mehrere Vorträge und Stadtführungen gefeiert.
Hinweise zur Geschichte zu diesem Jubiläum:
1520 herrschte in Reutlingen große Unzufriedenheit mit der örtlichen Seelsorge, der Amtsführung mancher Priester und dem kaum verständlichen Gottesdienst in lateinischer Sprache. In der Folge des von Martin Luther angeregten Veränderungsprozesses wünschten sich die Bürger in Reutlingen eine verständliche Auslegung der Bibel und einen Gottesdienst in deutscher Sprache. Als Folge der Unzufriedenheit stiftete der Magistrat eine Predigerstelle, welche 1521 mit Matthäus Alber besetzt wurde. Er hielt fortan den Gottesdienst in der Reutlinger Marienkirche in deutscher Sprache.
Damit setzten sich die Stadt und Matthäus Alber starker Kritik durch den Erzherzog Ferdinand sowie des Bischofs Hugo von Konstanz aus. Es waren mutige Reutlinger Bürger, welche 1524 beim berühmten "Markteid" den Magistrat zwangen, sich zu Matthäus Alber zu bekennen und ihn zu schützen.
Matthäus Alber hielt aber unverbrüchlich an der "Lutherische Glaubenslehre" fest und ebnete so den Weg der Reichsstadt Reutlingen zu einem der führenden protestantischen Zentren Süddeutschlands. Zum Ausdruck kam dies schließlich im Jahr 1530 auf dem Reichstag in Augsburg, als der Reutlinger Bürgermeister Jos Weiß die "Confessio Augustana" (Augsburgische Glaubensbekenntnis) unterzeichnete.
Diese "Stadtführung in der Kirche" wurde mit verschiedenen Liedern von Martin Luther im gemeinsamen Singen umrahmt, wie z.B. "Ein feste Burg ist unser Gott..." oder "Aus tiefer Not schrei’ ich zu dir..:". Begleitet wurde der Gesang am Klavier durch Bischof im Ruhestand Eberhard Koch.
Im Anschluss gab es noch die Möglichkeit zum gemütlichen Beisammensein.